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Märchenbilder und konzentriertes Zusammenspiel
Eröffnung des Endenicher Herbstes mit jungen Pianisten aus der Klasse Kämmerling
Von Mathias Nofze
Endenich.
Das Kulturfestival "Endenicher Herbst" widmet sich in diesem Jahr, in
dem sich der Todestag von Robert Schumann zum 150. Mal jährt, in
besonders intensiver Weise dem Gedenken des deutschen Romantikers.
Der Bonner Kammerchor wird Chorwerke Schumanns aufführen, und das
Theaterstück "Schumanns Nacht" kreist um die letzten drei Lebensjahre
des Musikers. Kernstück der Schumann-Ehrung jedoch ist ein
Konzertzyklus, der Schumanns gesamtes Klavierwerk bietet. Am Flügel im
Schumannhaus sitzen junge Pianisten aus der Klasse von Karlheinz
Kämmerling, der an der Musikhochschule Hannover lehrt.
Zwei Konzerte dieser "Jung - virtuos - romantisch" überschriebenen
Reihe gab es bereits, mit dem dritten wurde jetzt der "Endenicher
Herbst" eröffnet. Das allerdings enthielt Kammermusik mit Klavier,
nämlich die Märchenbilder für Klavier und Viola und die
Märchenerzählungen für Klarinette, Viola und Klavier.
In den Märchenbildern präsentierten sich Madeleine Przybyl, zweite
Stimmführerin im Bundesjugendorchester, als reif gestaltende
Violaspielerin und Justine Verdier als gewandte, nur manchmal ein wenig
farblos agierende Pianistin. Sie war kurzfristig für die ursprünglich
vorgesehene Sheila Arnold eingesprungen.
Das erste Stück geriet dem Duo noch ein wenig verhalten, danach
gestaltete sich das Zusammenspiel intensiver und fesselnder. Glänzend
gelang der leidenschaftliche Tonfall der zweiten, sehr einfühlsam der
bewegende Zwiegesang der letzten Miniatur. Und im dritten Stück ließ
Madeleine Przybyl in den flackernden Arpeggien ganz unangestrengt ihre
Virtuosität aufblitzen.
Mit rundem Ton und gestalterische Reife wusste in den folgenden
Märchenerzählungen der Klarinettist Benjamin Bruschke, ebenfalls
Mitglied des Bundesjugendorchesters, zu überzeugen. So lieferte er sich
im ersten Stück, einem heiteren Allegretto, mit der Viola ein
hinreißendes Duettieren.
Insgesamt überzeugte das Trio durch konzentriertes Zusammenspiel, sehr
plastisch gelangen die für Schumann typischen Wechsel zwischen Tiefsinn
und Volkstümlichkeit, und ein schöner, geheimnisvoller Zauber lag über
den sich sehnsüchtig umgarnenden Melodien der dritten Nummer.
Eine die große Form im Blick behaltende Interpretation der Brahmsschen
fis-moll-Sonate gelang abschließend Justine Verdier. Pathos und
Kühnheit des Werkes wie auch die elegischen Momente führte sie zu einer
Einheit, lediglich im Finale blieb mancher Gedanke etwas blass. Die
Reihe wird mit vier weiteren Konzerten fortgesetzt.
(31.10.2006)
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